Mittwoch, 20. Juni 2018

Usbekistan

Die Reise geht weiter. Wir haben Montag, den 30. April und es geht per Flugzeug nach Usbekistan, in die Hauptstadt Tashkent. Usbekistan ist mit seinen 30 Millionen Einwohnern ein Vielvölkerstaat und schon allein deshalb interessant. Dort leben unter anderem Usbeken, Kirgisen, Tadschiken, Turkmenen, Kasachen, Russen und Chinesen.



Ein wenig Respekt haben wir schon vor dem, was wir da erleben werden. Einiges haben wir gehört: die Männer werden den Frauen nicht zur Begrüßung die Hand schütteln, Frauen sollten sowieso niemanden direkt ansehen und so weiter. Na ja, wenn das alles ist, werden wir uns auch damit arrangieren. Dann ist da noch der Gedanke an die hygienischen Bedingungen, wir werden zum Beispiel in einer Jurte übernachten. Plumpsklos sind nicht gerade das, was wir uns wünschen. Aber lassen wir das alles erst mal auf uns zukommen.

Auf dem aserbaidschanischen Flughafen sieht man schon eine Menge Frauen mit Kopftüchern, usbekische Frauen, die nicht verschleiert sind, sondern ihre Kopftücher so tragen, wie es in Deutschland in den 50er und 60er Jahren auch üblich war.

Nach dem zweieinhalbstündigen Flug erwartet uns am Flughafen ein netter junger Mann, der sich als Reiseleiter vorstellt und uns in Usbekistan begleiten wird. Savarbek Khodjaev ist 31 Jahre alt, Diplom-Germanist und wohnt mit Frau und Sohn in Chiwa. Als Übersetzer ist er uns unentbehrlich. Mit Englisch kommt man nicht besonders weit, aber wer Russisch spricht oder zumindest die kyrillische Schrift lesen kann, ist klar im Vorteil! Auch kann Deniz sich auf türkisch auch oft mit den Einheimischen verständigen.



Gleich am Flughafen erläutert Savar uns, was es mit den vielen Storch-Symbolen in Tashkent auf sich hat. Der Storch bedeutet Frieden und ist das Lieblingstier des ehemaligen Präsidenten. Savar bringt uns zu unserem Hotel, das Bek-Hotel, ein kleines sauberes Haus. 

Hübsches Hotel

Eine hübsche Terrasse, sogar einen Pool gibt es und die Zimmer sind sehr gut. Nachdem wir eingecheckt haben, machen wir noch eine Fahrt durch die Stadt.



Im Amir-Timur-Park trinken wir einen Kaffee. 

Im Park
Inmitten des kreisförmigen Parks steht die Amir-Timur-Statue, die Timur auf einem Pferd zeigt. Hier steht das 1974 gebaute Hotel Uzbekistan im Stil der Sowjetarchitektur. Auf der anderen Straßenseite steht der Forumspalast, ein weißes Gebäude, auf dessen Dach zwei Störche zu sehen sind. Im Süden stehen zwei Uhrtürme.



Es weht ein laues Lüftchen und wir haben wunderbares Sommerwetter. Die breiten Straßen und die Gebäude um uns herum vermitteln fast den Eindruck, man säße in Paris. Man glaubt kaum, dass die Stadt am 26.4.1966 großflächig durch ein Erdbeben zerstört wurde. Um uns herum stellen Künstler ihre Bilder aus und bieten sie zum Kauf an. Mit dem hiesigen Geld tragen wir so unsere Kämpfe aus. 10.000 Sum entsprechen einem Euro. Man trägt als immer bündelweise Geldscheine mit sich herum.



Wieder zurück im Hotel genießen wir ein Abendessen auf der Terrasse.



Es ist der 1. Mai und wir machen uns nach dem Frühstück auf zu einer ausgedehnten Stadtrundfahrt durch Tashkent. Zunächst sehen wir das Denkmal des Dichters Alisher Navoi. Dessen geistiges Erbe spielt hier eine unschätzbare Rolle, der „usbekische Goethe“ wie Savar sagt.



Als religiöses Zentrum von Taschkent gilt der Hast-Imam- oder auch Hasrati-Imam-Komplex. Dabei handelt es sich um einen großen Platz mit mehreren bedeutenden Moscheen, Medressen (Koranschulen), Mausoleen und Geschäften. 
 
Hasrati Imam Komplex

Hasrati Imam Moschee mit Platz für 2500 Gläubige wurde erst 2007 grundlegend nach alten Plänen restauriert und wieder aufgebaut. Heute ist die umfangreiche Anlage Sitz des Groß-Muftis und strahlt im orientalischen Glanz. 
 

In Usbekistan herrscht übrigens Religionsfreiheit und die verschiedenen Religionen werden gleichwertig behandelt. Deshalb dürfen die Imame auch nicht fünfmal am Tag ihren Ruf erklingen lassen. Nur freitags und bei hohen Festen ist es ihnen erlaubt. Es gibt keine Kirchensteuer. Die Gemeinden tragen sich durch Spenden der Gläubigen und durch staatliche Unterstützung.



Im umliegenden Park gibt es viele schattige Sitzgelegenheiten und wir machen zwischendurch immer mal Gebrauch davon. Susanne hat in einem kleinen Kunsthandwerker-Geschäft ein hübsches kleines Bild entdeckt und ist unschlüssig, ob sie es kaufen soll.



Wir bahnen uns unseren Weg durch die Handwerkergasse in der Nähe des Chorsu-Basars und bestaunen die Dinge, die dort angeboten werden. Ich kaufe einen Stempel, um selbst gebackenes Brot zu verzieren. Zum Kaffeetrinken fahren wir ins Hotel, danach sehen wir uns die Metro an und fahren einige Stationen. Ähnlich wie in Moskau ist jede Station anders gestaltet. Teilweise schöne Jugendstil-Elemente, aber leider ist das fotografieren verboten.



Das Hamir-Temur-Museum: Ein von außen prachtvoller, moderner Bau. Betritt man den Saal mit der großen Kuppel, sticht einem sofort der riesige Kronleuchter ins Auge. 


Das Museum selber ist informativ. Man findet viel aus der Zeit der Timuriden, auch Modelle der wichtigsten Gebäude aus dieser Zeit, einen Überblick des Reiches von Amir Temur und den Verlauf der gesamten Seidenstraße.



Unser Mittagessen nehmen wir in einem kleinen Restaurant ein, hier ist schon alles für die Fußballweltmeisterschaft in Russland vorbereitet. Hier treffen sich die Fans zum Wetten und Fußballgucken. Für uns gibt es russische Nudelsuppe und gefüllte Teigtaschen. Sehr schmackhaft.



Wir verhandeln
Savar hat einen vierjährigen Sohn und wir haben eine dreijährige Enkelin, aber ich habe keine Ahnung, wieso wir plötzlich beim Thema Brautwerbung angekommen sind. Auf alle Fälle erzählte Savar, dass der Vater des Bräutigams zur Familie der Braut geht und keinesfalls direkt anfragt, sondern sagt, dass er eine Nachtigall habe, der Vater der Braut aber eine schöne Blume sein eigen nennt. 
Nun könne man doch die Nachtigall auf die Blume setzen. Dann übergibt der Vater des Bräutigams einige Geschenke und die Ehevermittlung ist erfolgreich verlaufen. Wenn die Geschenke aber nicht angenommen werden, wird es auch mit der Hochzeit nichts. Savar und ich kommen überein, dass wir in 20 Jahren dieses Thema nochmal vertiefen werden.



Wir sehen die Minor Moschee, auch bekannt als neue weiße Moschee, sie gilt als eine der größten Moscheen in Zentralasien. Sie wurde 2014 fertig gestellt und aufgrund einer Initiative des usbekischen Präsidenten Karimov gebaut. Man kommt über ein großes Eingangsportal in den Moscheenhof, dann in die Moschee selbst, die 8000 Gläubigen Platz bietet.

Ein prachtvolles Gebäude


Tashkent wurde 2007 von der Islamischen Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur zur islamischen Kulturhauptstadt erklärt. Aber es gibt in der Stadt auch fünf orthodoxe Kirchen mit dem Kloster, eine katholische Kirche, eine lutherische Kirche, Synagogen und andere Kultusorte. So sahen wir uns auch eine russisch-orthodoxe Kirche an und – schaden kann´s ja nicht – zündeten eine Kerze an.

Draußen in der Sonne schloss eine hübsche kleine Katze mit Wolfgang Freundschaft und Susanne kramte noch ein paar Hundeleckerlies aus ihrer Tasche.



Es wird Zeit für uns. Wir müssen zum Bahnhof und steigen dort nach umfangreichen Sicherheitschecks in den Afrosiyob Hochgeschwindigkeitszug nach Samarkant. Dieser moderne Zug bringt uns in zwei Stunden an das über 300 km entfernte Ziel. 
 

Eine weitere Stunde Zeitverschiebung und es ist schon dunkel, als wir ankommen. Nach einem Essen im Restaurant beziehen wir die Zimmer im Registan-Plaza-Hotel. Groß, komfortabel, aber unser kleines Hotel in Tashkent hat uns besser gefallen.



Am 2. Mai starten wir zunächst mit einer Stadtrundfahrt durch die wohl märchenhafteste und schönste Stadt des Orients. Bei angenehmen Temperaturen besuchten wir als erstes das Mausoleum Gur-Emir mit dem Grab von Timur - ein wunderschönes mit Gold verziertes Gebäude. Danach kam der wirklich beeindruckende Registan-Platz mit den drei einmaligen Medresen Ulug Beg, Shir-Dor und Tillja Kari. 
 
Sehr beeindruckend

Der Anblick dieser drei Gebäude ist wirklich großartig. Wir besichtigten die Medresen mit ihren vielen kleinen ehemaligen Wohnkammern. Heute findet man dort Handwerker, Souvenirverkäufer und Künstler. Auch ein Musiker spielte auf typisch usbekischen Instrumenten.



Plov zum ersten
Zum Mittagessen fahren wir zu einer Familie, die ihr Haus für uns geöffnet hat und uns zu einem traditionellen Plov-Essen einlädt. 

Das usbekische Nationalgericht enthält gebratenes oder gekochtes Fleisch, Zwiebeln, Karotten und Reis. Dazu Rosinen, Berberitze, Kichererbsen und evtl. Früchte. Das Kochen übernehmen oftmals die Männer. Es schmeckt uns ausgezeichnet und wir machen uns gestärkt auf zum Observatorium.



Das Observatorium ist nur zum Teil restauriert, aber dank des kleinen Museums, das nur 20 Meter entfernt ist, kann man sich das sehr gut vorstellen. Es ist beeindruckend, mit welchen Mitteln in der Vergangenheit die Sterne beobachtet worden sind und wie weit die Menschen ihrer Zeit voraus waren. Gut, dass es den Archäologen gelang, diesen Ort wieder zu finden.



Timur


Dann geht es an einen Ort, um den sich einige Legenden ranken. Die Moschee wird Bibi-Khanum zum Andenken an Timurs Lieblings-Gemahlin genannt. Man erzählt sich, das Bibi eine Affäre mit dem obersten Baumeister hatte und der Sultan davon Kenntnis erlangte. Daraufhin wurde der Baumeister zum Tode verurteilt und Bibi musste vom Turm der Moschee springen. Ob es so stimmt?

Diese eindrucksvolle Moschee ist in den letzten Jahren zu großen Teilen wieder aufgebaut worden, hat aber noch nicht ihre ehemalige Dimension erreicht. Trotzdem bleibt die Bibi Khanum eines der gewaltigsten, bedeutendsten und beeindruckendsten Bauwerke aus timuridischer Zeit.

Wir werden oft und gern fotografiert und man ist sehr interessiert an unseren Lebensumständen


Wunderschön und farbenfroh
Savar hat noch eine besondere Überraschung für uns. Wir fahren zu einer Musikveranstaltung und erleben wunderschöne usbekische Kostüme und angenehme Musik im El-Merosi-Theater.



Nach einer kleinen Pause im Hotel führt Savar uns in ein Restaurant. Leider findet hier auch gleichzeitig eine Hochzeit statt und es ist laut wie in einer Disco. Dann finden wir doch noch ein Plätzchen und essen ein wenig Salat, eine Suppe, gutes Brot und Fleischspieße. Typisch usbekisch also. Nach dem Essen möchte Deniz noch zum Registanplatz, um dort bei Dunkelheit die schöne Stimmung einzufangen. Wir übrigen lassen uns im Hotel absetzen, der lange Tag fordert seinen Tribut.



Donnerstag, der 3. Mai. Die Koffer sind gepackt und unser Tagesablauf sieht vor, dass wir am Mittag unsere lange Busfahrt ins Asraf Village antreten.



Buntes Treiben
Aber zunächst fahren wir zum Basar. Hier sind alle Gerüche und Farben des Orients vereint, und das schon seit vielen Jahrhunderten, seit die Händler der Seidenstraße Waren aller Art auf den Basaren austauschten. 
 
Orientalische Gewürzmischung

Das Geld zählen dauert hier etwas länger
Berge von Früchten und verschiedenen Gemüsesorten, viele süße Köstlichkeiten, eine breite Palette an Gewürzen, Wurst und Käse, Fladenbrote, frisch gebacken, und vieles mehr – ein Fest für die Augen und den Geruchssinn!
Die Samarkand-Fladenbrote sollen die besten in Usbekistan sein. Die Fladen aus dieser Region sind bekannt für ihre besonderen Dekorationen. 


 
Origineller Verkaufsstand

Wir kaufen ein und möchten dann mit einem Elektroauto zurück zu unserem Bus fahren. Aber diese Wagen werden so schnell erobert, so dass wir keine Chance haben, einzusteigen. Also zurück zu Fuß. Dafür sehen wir noch das Handwerkerhaus, hier findet man wunderschönes hochwertiges Kunsthandwerk.



Auf der Straße spricht uns ein Mann an und möchte uns zu einem Tee einladen, um ein wenig mit uns zu plaudern. Er fragt, woher wir kommen und bedauert, dass wir nicht in der Nähe seines Hauses seien, denn dann würde er für uns ein Schaf schlachten und uns zum Essen einladen. Wir bedanken uns lachend und machen uns auf den Weg zum Bus.



Nach einem grünen Tee in einem typisch orientalischen Teehaus fahren wir zu einem Mausoleum, welches jedes Jahr von 300 – 400.000 Pilgern besucht wird. 
 
Teehaus

Ohne Kopfbedeckung fühlt man sich nicht besonders wohl. Hier gibt es auch Waschräume, in denen die Gläubigen Muslime sich auf den Eintritt in die Moschee vorbereiten. 


Eindrucksvoll ist auch der angrenzende Friedhof, die Grabsteine sind geschmückt mit den Bildern der Verstorbenen. Einige Leute kommen auf uns zu und möchten Fotos von uns oder auch mit uns machen. Dies wird uns im Laufe der Reise noch sehr oft passieren.
Ein kleines Gebet
Auch hat man den Eindruck, dass man sehr gern mit uns ins Gespräch kommen und auf alle Fälle wissen möchte, woher wir kommen und ob es uns in Usbekistan gefällt. Peter und Deniz arbeiten gleich mal ein Geschäftskonzept aus. Sie möchten hier ein Hotel bauen, bei so vielen Pilgern wird sich das schon lohnen. Wir werden gleich mal eingeteilt und uns werden die notwendigen Arbeiten zugewiesen. Nur sind wir uns da einig: das müssen die beiden schon allein machen.



Die nächste Rast beschert uns ein Mittagessen: Salat, Suppe, Kartoffeln, dazu Wasser und immer natürlich Tee. Hinter dem Haus: Stehklos – ich werde es nie lernen.



Eine mühsame Arbeit, Äste vom Maulbeerbaum
Weiter geht die Reise auf einer sogenannten Autobahn. Hier muss des öfteren die Geschwindigkeit bis auf Schritttempo reduziert werden wegen der Schlaglöcher. Dann kommen wir an eine historische Papiermühle, sehr idyllisch gelegen, hier wird das Papier handgeschöpft wie vor 100 Jahren schon.

Mit einem Ohr bekomme ich mit, dass zwischen Deniz und Peter jetzt philosophische Gespräche stattfinden über schöpfen, Schöpfung, Wertschöpfung usw. Mal sehen, was das wird.

Hier entstehen die Geschäftsideen


Weiter geht’s und auf dem Weg sehen wir viele gleich aussehende neue Häuser mit roten Dächern. Allerdings kann sich kaum jemand aus der Bevölkerung hier ein Haus leisten und so sind sie reserviert für Angestellte des Staates, wie Polizisten oder Soldaten.



Eine kleine Pause
Es geht vorbei an Feldern und Obstplantagen. Die Kühe laufen frei herum und werden von Kindern bewacht. Die Straßen werden ein wenig besser und wir kommen voran. Immer noch Obstbäume, auch Baumwollplantagen, viele fleißige Leute arbeiten in ihren Gärten. Kinder in hübschen blauen Schuluniformen sind auf dem Heimweg. 

Kühe und Ziegen kreuzen unseren Weg
So geht es Stunde um Stunde und leider wird die Qualität der Straße wieder schlechter und wir werden durchgeschüttelt. Zwischen zwei Bergketten hindurch geht es über eine riesige Ebene, die bewachsen ist mit wildem Thymian. Wenn man aus dem Auto steigt, wird man eingehüllt in diesen Duft.



Langsam sind wir genervt von dieser langen Strecke und inzwischen ist es auch schon dunkel. Wie sollen wir nur die Abzweigung in dieser Wüstenlandschaft finden? Unsere Stimmung sinkt. Plötzlich sehen wir einen Scheinwerfer, der uns anzeigt, wo wir abbiegen müssen. Ein Auto fährt vor uns her und ist plötzlich aber wieder verschwunden. Wir fahren stoisch weiter, irgendwo muss der Weg ja hinführen. Wir kommen auf ein Plateau, die von Autoscheinwerfern hell erleuchtet ist. Auf der der ebenen Platte: ein Tisch, zwei Männer, einer schwingt die Deutschlandfahne, einer schwingt die usbekische Fahne. 
Wir werden herzlich begrüßt

Champagner und Erdbeeren
Auf dem Tisch Champagner, Erdbeeren, Süßigkeiten. Und so wurden wir begrüßt von unseren Gastgebern, den Abgesandten unseres Reiseveranstalters, die schon seit zwei Stunden auf uns gewartet hatten. Wir sind begeistert und gerührt über diese wunderbare Geste. Dann stehen wir mitten in der Wüste, trinken Champagner, essen Erdbeeren und über uns ein wundervoller Sternenhimmel. Was will man mehr?



Dann fahren wir weiter in eines der ältesten Dörfer der Nurata Mountains. Wenn wir dachte, der Weg bis hierher wäre holprig, wurden wir jetzt belehrt, dass es noch schlimmer geht, sehr steil und sehr schmal. Es ist dunkel und wir erkennen erst am nächsten Tag, wie nah wir am Abgrund entlang gefahren sind.



Wir erreichen das Dorf, in dem einige Familien leben und zusammen ein Gästehaus mit 5 Räumen gebaut haben. Die Zimmer sind klein und ausgestattet mit jeweils drei Betten. Sonst gibt es da nichts. Kein Schrank, kein Stuhl, kein Spiegel. Die Toilette und die Dusche befinden sich seitlich vom Haus. 
 
Wir leben gut

Zum Abendessen gibt es traditionelle usbekische Gerichte, wie immer Salat, Suppe und ein Hauptgericht. Nach dem Essen kommen zwei Männer mit einem kleinen Jungen und machen Musik. Die anderen zum Dorf gehörenden Kinder hat man in traditionelle Kleidung gesteckt und sie tanzen. Ein kleines Mädchen sichtlich gern, die zwei kleinen Jungen werden immer wieder animiert. 

So ist es wohl, wenn alle ihren Beitrag zum Überleben des Dorfes leisten müssen, ob einem das gefällt oder nicht. 
Auch die Erwachsenen werden zum Mittanzen aufgefordert.



Wir legen uns in unsere Betten und schlafen tief und fest. Es ist nichts zu hören außer Hundegebell in der Nacht. Vorsichtshalber legen wir unsere Taschenlampen bereit. Am nächsten Morgen werden wir vom Hahnengeschrei geweckt und ich bin froh, dass wir bald weiterfahren werden. Ich bekomme leider nur kaltes Wasser zum Duschen, Peter hat da mehr Glück und kann heiß duschen.



Jetzt am Morgen kann man die Idylle des Dorfes erst erfassen und meine Meinung ändert sich sehr schnell. Hühner laufen herum, es gibt Ziegen und ein Kälbchen. Ein intaktes Dorfleben und eine herrliche Ruhe. Die großen Ruhebetten werden von Männern und Frauen getrennt genutzt und man empfindet totale Entspannung. 
Brot backen

Wir helfen beim Brotbacken, die Brotfladen werden an die Ofenwände gepresst und dann vorsichtig mit dicken Handschuhen wieder entfernt. Wir bekommen bald ein gutes Frühstück mit noch warmem Brot und genießen es.

Die Unterkunft im Dorf


Nach dem Essen sehen wir uns ein wenig um und Savar fordert uns zu einem kleinen Spaziergang auf. Uns Frauen ist die Dorfidylle lieber und so geht er mit den Männern allein. Sie kommen an ein kleines Haus, in dem die Schule untergebracht ist. 
 
Die Schulklasse beim Deutschunterricht

Hier lernen 8 Kinder, von der 1. bis zur 4. Klasse. Sie begrüßen die Spaziergänger mit „Guten Morgen“ und der Lehrer erklärt, dass er gerade Deutschunterricht gibt und präsentiert ein deutsches Schulbuch. Erstaunlich.



Inzwischen helfe ich, das Mittagessen zuzubereiten. Was soll es geben? Ja, wieder mal Suppe und Plov. Wir schnippeln also jede Menge Gemüse, teils für die Suppe, teils für den Plov. Für so viele Leute muss natürlich die Menge entsprechend sein und wir sind froh, als es endlich daran geht, die Töpfe heiß zu machen.

Der Nachwuchs


Wenn ich am Vorabend noch eher genervt war von dieser einfachen Ausstattung und dem wenig komfortablen Leben hier, überkommt mich heute morgen eine herrliche Ruhe und ich genieße dieses Umfeld ganz entspannt und freue mich jetzt schon auf unser gemeinsames Essen. 
 
Es geht uns gut.

Idylle
Wir sitzen im Schatten, die Hühner wuseln um uns herum, der Hund liegt faul in der Sonne und ein paar Männer lümmeln sich auf einem der Ruhebetten, Taptschan genannt, herum. 
Zwischendurch gehen wir ein paar Schritte durch den angelegten Garten zu einem über 1000 Jahre alten Maulbeerbaum. Der heilige Baum, von dem alles genutzt wird. Das Holz, die Blätter für die Seidenraupen, die leckeren Früchte.



Sie begegnen uns unterwegs und alle steigen aus dem kleinen Auto!
Ja, es nützt ja nichts. Wir müssen uns schließlich vom Dorf verabschieden und weiterfahren. Durch die Wüste, endlose Weite, Thymian, Schildkröten, Warane und Eidechsen gibt es hier. 

Die Wüste ist 260.000 Quadratkilometer groß. Wir fahren zum See von Aydarkul, 260 km lang, 30 m breit. Hier werden wir in Jurten übernachten und sind schon sehr gespannt, was uns erwartet.



Endlich kommen wir an im Jurtenlager. Unsere Gastgeberin ist eine Russin, sehr blond mit einem schwungvollen Lidstrich. Sie erklärt, dass für uns zwei Jurten reserviert seien. 
Unsere Luxusunterkünfte

Die Jurten sind zwar mit mehreren Schlafplätzen ausgestattet, aber wir würden doch gern jeweils pro Paar eine eigene bewohnen. Das macht die Frau sehr schnell möglich für 50 Dollar Aufschlag natürlich. Es gibt ein Duschhaus und ein Toilettenhaus in entgegengesetzter Richtung. Beides in keinem guten Zustand, freundlich ausgedrückt.



Wolfgang ist hier nicht zu sehen
er fordert gerade sein Kamel auf, Peter zu beißen,
Die Männer machen erst mal einen Ausritt auf Kamelen. Wir begnügen uns damit, die Aktion zu fotografieren. Ich glaube, wir hatten mehr Spaß als unsere Männer.



Das Abendessen besteht aus – ratet mal – richtig. Salat, Suppe, Plov. Aber dafür gibt es reichlich Wodka und das kommt uns sehr zugute. Wir nehmen reichlich davon und sind so ganz sicher, dass wir die Nacht irgendwie überstehen.



Samstag, 5. Mai. Man muss sich schon überwinden, aber dann erfrischt die eiskalte Dusche schon. Ich habe alle Handtücher aus der Jurte mitgenommen und sie auf den Duschboden geworfen. So konnte ich einigermaßen unbeschadet einsteigen. Der Gastgeberin, die gerade vorbei geht, könnte man raten, mal einen Putzeimer mitzunehmen und etwas zu tun für das Übernachtungsgeld.



Nach dem Frühstück machen wir einen langen Spaziergang um den See. 
 
Ein ganzer See für uns allein


Wir sind hier ganz allein und es ist ein wirklich schönes Fleckchen Erde. Wieder zurück im Jurtendorf wird uns ein Fischgericht mit sehr vielen Gräten serviert. Peter macht heute mal Diät.



Es ist inzwischen sehr heiß geworden und wir machen uns auf die Reise nach Buhara. Wir halten in Nurota, einer kleinen Stadt mit einer Quelle heiligem Wasser und die Leute nehmen es in großen Flaschen mit. Die Quelle und die sie umgebenden sakralen Gebäude – unter anderem eine Kuppelmoschee aus dem 10. Jahrhundert – sind ein Wallfahrtszentrum. 
 
Nurota


Weiter geht’s auf holpigen Straßen. Wir sehen Pferde, Dromedare und Esel. Braune Wüste, sehr eintönige Landschaft. Plötzlich dann am Horizont ist alles grün. Wir erreichen Navoyi, hier gibt es saftige Wiesen, Bäume, Landwirtschaft. Wir finden ein schönes Lokal, sitzen dort im Garten, gönnen uns ein gefülltes Fladenbrot und Cola. Und on Top gibt es noch eine saubere Toilette. Was will der Mensch mehr?



Wir kommen schließlich in Buhara an und beziehen unsere Zimmer in einem sehr schönen Hotel mitten in der Altstadt. Wunderbar. 

Der Innenhof unseres Hotels

Das Abendessen nehmen wir bei einer Familie ein, die Frau eines deutschsprachigen Reiseleiters kocht für uns. Der Reiseleiter selbst ist gar nicht zu Hause, nimmt aber telefonisch Kontakt zu Deniz auf und fragt, ob es uns schmeckt.
Abendstimmung
Das können wir nur bejahen, man merkt, dass die Frau eine professionelle Köchin ist und wir sind mehr als zufrieden. Auf dem Rückweg machen wir noch schnell Fotos von dem schön angeleuchteten Minarett.



Sonntag, der 6. Mai. Unser Hotel liegt wirklich mitten in der Altstadt und wir genießen es sehr, zu den vielen interessanten Orten nur ein paar Schritte zu benötigen.



Holzsäulen
Aber zuerst sehe wir die Freitagsmoschee Bolo-khauz. Diese Moschee beeindruckt durch ihre Säulenhalle aus bearbeiteten Baumstämmen. Das Farbspiel der Mosaike beeindruckt insbesondere mit dem Spiegelungen, die in dem vor ihr liegenden Wasserbecken entstehen. Ein beeindruckendes Gebäude.



Dann kommen wir zur Zitadelle Ark. Sie war die Residenz der Khane Buharas. Die Festung befindet sich seit dem 4. Jahrhundert vor Christus an diesem Ort in Buhara. Durch mehrmaliges Zerstören und Wiederaufbauen ist über die Jahrhunderte ein 20 Meter hoher, künstlicher Hügel entstanden. Ein wunderbarer Bau, dessen Haupteingang mit zwei wie Säulen gehauenen Türmen ausgestattet ist. Das Obergeschoss der Türme vereinigt sich in einer Galerie, wo auch eine Terrasse angelegt ist. Die angegliederte ehemalige Moschee ist umgewandelt worden in ein Kalligrafie-Museum. Es gibt außerdem ein Natur- und Geschichtsmuseum.

Während wir versuchen, uns im Museum weiterzubilden, pflegt Susanne Sozialkontakte


Diese herrlichen Farben sieht man überall
Wir sind auf unserem Rundgang wieder am Kalon Minarett angekommen. Sehr imposant, eines der höchsten Minarette in Zentralasien. Es wurde im 12. Jahrhundert gebaut und sticht aus dem kompletten Altstadtkomplex Buharas heraus. 
 

Nun sind wir fast wieder an unserem Hotel. Gegenüber gibt es ein kleines Cafe, wir trinken etwas und plaudern mit der deutschen Gastwirtin. Dann spazieren wir gemeinsam durch die Basare und Geschäfte in Richtung unseres Gastgebers, der heute für unser Mittagessen sorgen wird. Wieder eine privater Gastgeber, aber damit haben wir ja schon gute Erfahrungen gemacht. Und tatsächlich, es erwartet uns ein schöner Innenhof, ein liebevoll gedeckter Tisch in einem noch interessanteren Sammlerzimmer mit unzählige alten Radios und hervorragendes Essen. 
Unser Gastgeber ist ein großer Sammler
 

Auch hier wieder diese herrlichen Farben
Danach sehen wir uns eine kleine Medrese mit 4 Türmen an, sie liegt mitten in einem Wohngebiet. Die 200 Jahre alte Chor Minor Medrese ist wirklich etwas besonderes. Von der Art her ganz anders als die vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Usbekistan.



Auf dem Rückweg sehen wir einen kleinen Friseurladen und Peter legt sich mutig unters Messer, lässt den Bart in Form schneiden. 
Der Mann hat Mut

Dann ist noch ein wenig Shopping angesagt, es gibt schöne Tücher aus Baumwolle oder Seide, allerlei Kunsthandwerk und Teppiche. Etwas später sehen wir uns eine traditionelle Musik- und Trachtenvorführung aller usbekischen Provinzen an. 
Bunte Trachten und traditionelle Musik

In den umliegenden Geschäften kann man all die schönen Sachen auch kaufen und wir können einigen schönen Tüchern nicht widerstehen.



Das möchten wir nicht essen
Gegenüber ist das Restaurant, in dem wir heute unser Essen einnehmen. Wir sind die einzigen Gäste! Wie immer Salat, Suppe, Teigtaschen und die Spezialität des Hauses. 
Rindfleischstücke, gekocht und in Fett schwimmend. Wir verzichten und ernten ungläubige Blicke von den Kellnern. Der Absacker im Hotel entschädigt uns.

Ein letzter Blick auf Buhara


Montag, 7. Mai. Wir müssen uns von unserem tollen Hotel und dieser wirklich wunderschönen Stadt mit den islamischen Prachtbauten, überkuppelten Basaren und der schönen Altstadt verabschieden und checken aus. Man stattet uns noch aus mit Brot, Obst und Gemüse. Dann geht es zum Samaniden-Mausoleum. Wann genau der Bau entstand ist ungeklärt, er wird ungefähr auf das 10. Jahrhundert datiert. Man vermutet, dass es sich um das früheste islamische Kuppelgrab handelt. Früher waren im Bereich des Islams auch hochgestellte geistliche und weltliche Personen lediglich in schlichten Erdgräbern beigesetzt worden. Dieses Gebäude wird – ähnlich wie die Kaaba – besonders verehrt. Man sagt, dass hier Wünsche in Erfüllung gehen, wenn man das Gebäude dreimal umrundet.



Die Weiterfahrt nach Chiwa steht an, allerdings sind die Straßen so fürchterlich schlecht, dass wir nur sehr langsam voran kommen. Manchmal geht es sogar nur im Schritttempo weiter, so brauchen wir für 48 Kilometer ca. 2 Stunden.



Ja, aus dem Auto steigen müssen wir zwischendurch mal, für den Gang zur Wüstentoilette nach etlichen Stunden Autofahrt. Irgendwo gibt es doch immer einen kleinen Hügel, hinter dem man sich verstecken kann. Susanne weiß, was ich meine.

Erst als wir zurück sind, klärt Savar uns auf, dass es hier durchaus giftige Schlangen gibt. 
 

Jetzt endlich fängt die Autobahn an und wir rasen mit 90 km/h in Richtung Chiwa. Irgendwann kommen wir an eine Raststätte und werden mit Teigtaschen und Schaschlik versorgt. 
Eine kleine Pause

Zusätzlich haben wir ja noch unsere mitgebrachten Salate, Erdbeeren und Brote, und so werden wir satt und sind zufrieden.

Auf dem Hof der Raststätte. Wolfgang lädt mich zu einer Fahrt in seinem Cabrio ein.



Kurz vor Chiwa wird es wieder grün. Wir sehen liebevoll angelegte Gärten und große landwirtschaftliche Flächen. Viel Baumwolle.



Wir erreichen Chiwa, die Oasenstadt mit der märchenhaften Atmosphäre und einer Altstadt, die an eine Filmkulisse erinnert. Heute gehört Chiwa zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Altstadt gleicht einem Freilichtmuseum mit zahlreichen Moscheen, Medressen (Koranschulen) und Mausoleen. Zu den markantesten orientalischen Bauwerken gehören die mächtigen Mauern der Kunya-Ark-Festung, auf denen sich ein Spaziergang lohnt, der Palast Tasch-Hauli sowie die Minarette Islam Hodscha und Kalta Minor.

Hotel in Chiwa

Unser Hotel besteht aus einem Haupthaus und drei Nebenhäusern. Wir bekommen unsere Zimmer in einem Nebengebäude, schön ruhig, aber auch altmodisch und nichts besonderes. Nach einem Abendessen in Büffetform fallen wir alle müde ins Bett – natürlich mit Ausnahme von Deniz und Wolfgang, die ja ihren Abendspaziergang brauchen.



Dienstag, 8. Mai. Frühstück, dann direkt hinter dem Hotel das Südtor, das uns in die Altstadt führt. Beeindruckend das Mauerwerk. Alte Grabstellen, direkt an der Mauer. Der Hintergrund ist, dass es im Islam verboten ist, über Gräbern Kriege zu führen und so war den Gegnern das Stürmen dieses Tores nicht gestattet.

Stadtmauer von Chiwa

Savar hat uns abgeholt, wir sind ja in seiner Heimatstadt und er hat endlich seine Familie wiedergesehen. Er berichtet, dass er die halbe Nacht mit seinem kleinen Sohn gespielt hat.



Chiwas Altstadt
Die Altstadt in Chiwa ist so authentisch, weil hier noch ca. 2000 Menschen leben und arbeiten und es sich nicht nur um eine touristische Häuseransammlung handelt. Hier spielt sich trotz der Souvenirstände usbekisches Alltagsleben ab. Auch die Eltern von Savar leben hier seit vielen Jahren. Er selbst hat sich eine Wohnung außerhalb der Altstadt genommen.



Die Juma Moschee aus dem 7. Jahrhundert hatte früher Platz für 5000 Gläubige. Kunstvolle Schnitzereien verzieren die Holzsäulen der Sommermoschee. Hier befinden sich 213 dieser unterschiedlichen Säulen.

Die Säulen haben alle unterschiedliche Schnitzereien

Unsere Pause führt uns auf die Terrasse eines Teehauses in der 1. Etage. Es gibt guten Tee, Kaffee und deutschen Kuchen. Ein laues Lüftchen umweht uns. So kann man es aushalten. 
 

Blick vom Cafe auf die Altstadt


Wir schlendern weiter durch die Altstadt. Die meisten Gebäude sind aus sonnengetrockneten Ziegeln und Tonerde gebaut. Nur die Toreingänge und Flankentürme sind aus gebrannten Ziegeln erbaut.

Im Innenhof des Palastes der Festung Ko’hna Ark aus dem 17. Jahrhundert wurde die Jurte für Ehrengäste errichtet, denn die Usbeken behielten im Mittelalter ihre Jurte auch in der Stadt bei.



Das Kalta-Minor-Minarett sollte so hoch werden, dass man es bis im 450 Kilometer entfernten Buchara sehen könnte. Doch als der Bauherr 1855 in einer Schlacht fiel, stellte man die Bauarbeiten nach 28 Metern ein.

Das schmeckt Kindern auf der ganzen Welt


Dann gibt es ja noch das 57 Meter hohe Minarett der Medrese Islom Xoja. Es gilt als das letzte islamische Bauwerk vor der Oktoberrevolution: Es wurde erst 1910 erbaut. 
Noch lachen sie
Man kann in jedem Reiseführer nachlesen, dass der Aufstieg auf das Minarett nicht empfohlen wird, weil heftiger Muskelkater die Folge sein kann. Das lassen sich Wolfgang und Peter ja nicht nehmen. Sie müssen nach dem Mittagessen unbedingt da rauf. Dunkel, verschieden hohe Stufen, nix für Feiglinge. Mal sehen, wie es ihnen morgen geht.



Usbekische Seide
Susanne und ich haben im Hotel einige schöne Seidensachen gesehen, die usbekischen weiten Hosen und dazu ein Oberteil, leicht und luftig, schön zu tragen. 

Der Preis stimmt auch, nachdem wir ein wenig gehandelt haben und so schlagen wir zu.

Zum Abendessen im Sommerpalast tragen wir dann die usbekische Tracht, das Kopftuch lassen wir allerdings weg.



Mittwoch, 9. Mai und Abschied von Chiwa. Besonders traurig für Savar, denn er muss uns noch zurück nach Tashkent begleiten, dort eine weitere Touristengruppe übernehmen und erst dann kann für ihn die Sommerpause losgehen. Diese Zeit verbringt er größtenteils damit, in Schulen teilweise zu unterrichten und teilweise notwendige Reparaturarbeiten auszuführen. Dazu sind alle Universitätsabsolventen verpflichtet, die auf Kosten des Staates studiert haben. Übrigens gibt es auch eine Regelung für alle Staatsdiener: sie müssen sich an der Ernte der Baumwolle beteiligen und einige Wochen auf dem Land arbeiten.



Wir fahren zum Flughafen, Wolfgang und Peter sehen etwas grünlich aus. Erdbeeren am Abend sind hier nicht ungefährlich. Der Flug dauert nur eine Stunde, dann fahren wir wieder in unser hübsches Hotel in Tashkent. Nach einer Pause machen wir uns wieder auf, uns noch etwas die Stadt anzusehen. 
 

Zum Beispiel die Tellya Sheikh Moschee. In deren Bibliothek befindet sich der angeblich älteste Koran der Welt aus dem Jahr 655. Leider haben wir heute den 9. Mai, hier ein Feiertag, der Tag des Kriegsendes. Und so können wir den Koran nicht besichtigen.



Wir machen uns auf in ein Restaurant in der Nähe eines Wasserfalls. Hier erwartet uns der Vertreter des Reiseveranstalters, den wir schon im Dorf kennengelernt hatten. 
 
Schönes Ambiente, auch der türkische Präsident war schon hier

Er bestellt für uns ein wunderbares Essen und wir haben ein paar wirklich tolle Stunden in einer sehr sehr schönen Umgebung. Wir fühlen uns wirklich sehr gut aufgehoben und sind sehr dankbar für diese Fürsorge.



Danach führt Savar uns noch in das Geschäft, in dem Susanne von einigen Tagen dieses wunderschöne Bild entdeckt hat. Sie konnte es nicht vergessen und nun sollte der Kauf getätigt werden. Nur leider waren die Preise inzwischen kräftig erhöht worden. Nach langem Handeln und tollkühnem Einsatz von Savar hatte Susanne endlich ihr Bild in den Händen und strahlte mit der Sonne um die Wette.



Am Abend sind es wieder unsere Reiseveranstalter, die uns in ein tolles Hotel bitten. Wir sitzen auf der Dachterrasse und haben einen tollen Blick über die Stadt. Es ist uns etwas wehmütig zumute, jetzt ist unserer Reise wirklich zu Ende. 
 
Auf der Terrasse des Hotels mit großartigem Blick auf das Theater


In dem Hotel findet eine usbekische Hochzeit statt und wir staunen nicht schlecht, als wir sehen, wie toll hier gefeiert wird. Tolle Kleider, edel eingedeckte Tische und mehr als 200 Gäste kann man hier bestaunen. Auch das Fernsehen ist dabei und mehrere Livebands und Solosänger spielen und singen.
 
Etwas später

Aber auch oben auf der Terrasse geht es bei uns lustig zu. Unsere Gastgeber haben noch Geschenke für uns, jeder bekommt einen Kaffeebecher mit seinem Konterfei und wir bekommen alle ein Zertifikat, in dem festgehalten ist, dass wir den original-usbekische Plov kochen können. Wir sind sprachlos und wissen gar nicht, wie wir uns bedanken sollen.

Lecker

Das Tüpfelchen auf dem I ist dann noch ein Feuerwerk anlässlich des 9. Mai, dem Tag des Kriegsendes, der in Usbekistan ein Feiertag ist.



Ein wunderbarer Abend geht zu Ende und damit auch ein wunderbarer Urlaub, mit vielen tollen Erlebnissen, lieben und netten Menschen und vielfältigen Eindrücken, die wir erst einmal verarbeiten müssen.


Noch in der Nacht geht unser Flug nach Istanbul, wir müssen Abschied nehmen von Susanne und Wolfgang, die nach Hamburg fliegen. Dann geht es für uns nach Bremen, der Orient ist weit weg und wir denken doch so gern zurück. 
Ein Zweig vom heiligen Baum - Maulbeeren





Nun will ich mich zum Schluss noch bedanken. Natürlich bei Deniz, weil er uns mitgenommen hat und uns so einen schönen Urlaub ermöglichte. Er war immer freundlich, unermüdlich erklärend, interessant erzählend und verstand uns zu begeistern für die Orte, die wir besucht haben. Am liebsten allerdings hörte ich von Deniz Geschichten über seine Mutter, die wohl ihrer Zeit weit voraus war und selbstbestimmt und selbstbewusst ihr Leben lebte.

Meine absolute Hochachtung gilt Rita, die trotz ihrer gesundheitlichen Einschränkung alles mitmachte, nie schlecht gelaunt war und gern mit uns lachte. Eine absolute Steh-Auf-Frau mit viel Power und Optimismus. Ich hoffe so sehr, dass es ihr bald besser geht.

Ich danke auch Wolfgang für die vielen notwendigen Lektionen in deutscher Sprache. Er hat wohl seine Neigung zum Beruf gemacht. Jede noch so kleine unlogische Bemerkung oder ein fehlerhafter Ausdruck wurde von Wolfgang sofort humorvoll korrigiert. Ich werde immer an ihn denken, wenn ich mal wieder brauchen ohne zu gebrauche. Danke, dass du die wunderbare neue Wortschöpfung von Deniz: „Er wurde abgeköpft“ in deinen inneren Duden aufgenommen hast.

Danke an Susanne für ihren Optimismus, ihre Freude, die sie an jedem neuen Morgen auf uns übertrug, wenn es daran ging, neue Dinge zu erleben und zu sehen. Ihr beide, Wolfgang und du, seid die besten Reisepartner, die man sich wünschen kann. Danke für deine Zuneigung und Freundschaft. Wir werden sicherlich noch mal zusammen auf Tour gehen.

Zum Schluss natürlich Danke an meinen Liebsten, meinen Peter. Es ist wunderbar, dass wir immer noch gemeinsame Ziele haben. Mit dir reise ich überall hin.

 


Usbekistan

Die Reise geht weiter. Wir haben Montag, den 30. April und es geht per Flugzeug nach Usbekistan, in die Hauptstadt Tashkent. Usbekistan ist...